Transpacifica

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Mitteleuropäische Observationen einer Neuen Mitte (1900-1945)

Die von mir in Kooperation mit Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit (Freie Universität Berlin, Japanologie) aufgebaute Arbeitsgruppe Transpacifica leistet seit 2015 diskursgeschichtliche Grundlagenforschung bes. zur deutschen Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen China, Japan und den USA im Zeitalter des Imperialismus und der beiden Weltkriege. Gegenstand ist das Herausforderungspotential einer eigendynamischen ostasiatisch-amerikanischen Moderne und einer möglichen Schwerpunktverlagerung der Geschichte ins transpazifische Dreieck zwischen den neuen Großmächten Japan und USA sowie dem ‚erwachenden Drachen‘ China.

Die von der Arbeitsgruppe grundlegend aufgearbeiteten Quellenbereiche sind (1.) Tagespresse, (2.) Reise- und Erfahrungsberichte, (3.) natur- und sozialwissenschaftliches Schrifttum, (4.) Publizistik und Weltanschauung, (5.) erzählende Literatur und (6.) performative Künste. Sie zeigen insgesamt eine um 1900 einsetzende, unter anderem durch Auslandskorrespondenzen, Lehrstuhlgründungen und Netzwerkbildungen ermöglichte Feinbeobachtung transpazifischer Vorgänge und eine hoch diversifizierte Diskussionskultur zum Pazifik als dem ‚Mittelmeer der Zukunft‘, nämlich in stetem Bezug auf eine deutsche Selbstreflexion über die künftige Rolle Europas in der Welt.

Die Denkfiguren und Imaginationsmuster, die sich dabei herauskristallisieren, reichen von kulturkritischen Untergangs- und Selbstabschaffungsdiagnosen (‚Schluss mit Europa‘) über das Unternehmen einer kulturpolitischen Vorbildwirkung ‚Humboldt-Deutschlands‘ bis zu den Versuchen einer transregionalen Klassensolidarisierung bzw. eines teils mehr geopolitisch, teils mehr rassistisch begründeten Eintritts von Deutschland in die ‚Großraum- und Völkerpolitik‘. In der ersten Förderphase wurde eine bahnbrechende, mit Stellenkommentar, Einführung und Kapiteleinleitungen versehene Quellenedition erarbeitet. Die geplante zweite Förderphase gilt weiterführenden Aufsatz- und Buchpublikationen unter Ausnutzung dieser Edition. Ziel ist die Etablierung von Transpacifica als Modellprojekt für einen deutschen Beitrag zu den international aufstrebenden „Transpacific Studies“.

Ein Stipendienprogramm begleitet die Arbeit der Forschungsgruppe und dient dem Austausch von Forscherinnen und Forschern insbesondere zwischen der Freien Universität Berlin und der University of Tokyo. Bisherige Stipendiatinnen und Stipendiaten: Gigi Adair (April-September 2015), Moe Goto (April 2015-März 2016), Kevin Vennemann (Januar-Juli 2016), Hosung Lee (Oktober-November 2016)

Die Forschungsgruppe Transpacifica richtet seit 2015 den Deutsch-Asiatischen Studientag Literaturwissenschaft aus.

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Veranstaltungen

Bisherige und geplante Veranstaltungen von Transpacifica (in Auswahl):

  • 1. Deutsch-Asiatischer Studientag Literaturwissenschaft: Poetiken des Pazifiks, 23./24. Juli 2015.
  • Vortrag an der University of Tokyo: Dr. Gigi Adair (Freie Universität Berlin): W. Somerset Maugham’s China works: Colonial disorientation in a New Pacific, 9. Juli 2015.
  • Vortrag an der University of Tokyo: Dr. Kevin Vennemann (Freie Universität Berlin / Scripps College): Sunset Boulevard: Vom Filmen, Bauen und Sterben in Los Angeles, 1. Juni 2016.
  • Vortrag im Deutschen Kulturzentrum Tokyo: Prof. Dr. Elisabeth Bronfen (Universität Zürich): Eine Amerikanerin in Hitlers Badewanne: Journalistinnen berichten vom Zweiten Weltkrieg, 19. Juli 2016.
  • Podiumsdiskussion in der BBAW: Geisteswissenschaften und gesellschaftliche Bedürfnisse. Laufende Diskussionen in Deutschland und Japan, 1. November 2016.
  • 2. Deutsch-Asiatischer Studientag Literaturwissenschaft: Deutsch-Japanische Komparatistik im weltkulturellen Kontext, 2. November 2016.
  • Vortrag im Deutschen Kulturzentrum Tokyo: Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit (Freie Universität Berlin): Kein Ende der Exotik? Ein Versuch über das Japanbild in mitteleuropäischen Köpfen aus Anlass von Christian Krachts Erfolgsroman „Die Toten“, 3. April 2017.
  • Deutsch-Asiatischer Studientag Literaturwissenschaft: „Asian German Studies“ – Methoden, Gegenstände, Ziele, 3. November 2017.

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Netzwerk

Die Forschungsgruppe Transpacifica. Mitteleuropäische Observationen einer Neuen Mitte (1900-1945) verfügt über Büros in der Friedrich Schlegel Graduiertenschule der Freien Universität Berlin (Raum JK 33/137) und an der Faculty of Letters der University of Tokyo (Raum 3406). Die beiden Graduiertenschulen sind seit 2012 durch einen Kooperationsvertrag verbunden. Gastgeberin des Projekts ist Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit, Antragstellerin Prof. Dr. Jutta Müller Tamm, Projektleiter Einstein Visiting Fellow Prof. Dr. Keppler-Tasaki.

An der Friedrich Schlegel Graduiertenschule sind seit vielen Jahren herausragende Dissertationen aus dem Themenkreis von Transpacifica entstanden, darunter die Arbeiten von Melanie Lörke (Liminal Semiotics, 2013), Rebecca Mak (Mishima Yukios „Zur Verteidigung unserer Kultur“, 2014) und Johannes Görbert (Die Vertextung der Welt, 2014). Zu den einschlägigen Wissenschaftlern der Faculty of Letters der University of Tokyo gehören Shinji Miyata, Mitsuyoshi Numano und Kanichiro Omiya.

Mitglieder des Advisory Board von Transpacifica sind: Dr. Tara Beaney (Komparatistik, University of Aberdeen), Prof. Dr. Cordula Lemke (Anglistik, FU), Prof. Dr. Thomas Pekar (Gakushuin University, Tokyo).

Mehrmonatige Gäste von Transpacifica waren bisher: Aratee Kaewsumrit (April-Mai 2015), Kanichiro Omiya (Juli-August 2015), Geraldine Suter (April-Juli 2016) und Chunjie Zhang (Juni-Juli 2017).

Projektpartner in Berlin waren bisher: Deutsch-Japanisches Zentrum Berlin (Studientag 2015), Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Podiumsdiskussion 2016), Mori-Ôgai-Gedenkstätte der Humboldt Universität zu Berlin (Studientag 2017).

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Projektteam Berlin

Die Wissenschaftlichen Mitarbeiter von Transpacifica waren bzw. sind: Dr. Johannes Görbert (April 2015-März 2017), Dr. Tomas Sommadossi (seit April 2015), Hosung Lee M.A. (seit April 2017). Studentische Hilfskraft ist Lisa Jüttner (seit Februar 2015; Februar-November 2016 vertreten durch Eva Wasserheß).

Der Projektraum ist JK 33/137 (Friedrich Schlegel Graduiertenschule, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin).